Edvard Munch

Edvard Munch Biographische Notizen – Angst und Verzweiflung als künstlerische Triebfedern
Geboren am 12.12.1863 in Løten in Norwegen wird der Maler und Grafiker Edvard Munch schon frühzeitig mit den Themen Tod und Krankheit konfrontiert. Mutter und Schwester des Künstlers sterben früh an Tuberkulose, kurz darauf erkranken Vater und eine weitere Schwester an einer psychischen Störung. Munch litt bereits im Jugendalter unter einer bipolaren Störung: Phasenweise wechselten Verfolgungswahn und Nervosität mit starken Depressionen. Das von seinem Vater intendierte Ingenieurstudium bricht Munch 1880 zugunsten des aktiven Künstler-Daseins ab.

Im Kreise der Künstlergruppe „Kristiana- Bohéme“ fand Munch seine künstlerische und gesellschaftskritische Entsprechung. Im darauf folgenden Jahr (1885) beginnt Munch mit der Arbeit an seinem Ölgemälde „Das kranke Kind“, welches für ihn persönlich zum Grundstein für die Entwicklung einer neuen Art von Kunst, aber von den Kritikern zerrissen wurde. Seine sterbende Schwester Sophie und die Angst und Verzweiflung über das nahende Ende werden für den Künstler zu den wegweisenden Themen seines Schaffens. Radikal bricht Munch in diesem Bild erstmals mit den malerischen Traditionen des Realismus und begibt sich auf die Suche nach einer künstlerischen Entsprechung für seine schmerzliche Erfahrung. Insbesondere wegen des Verzichts auf die Entwicklung eines Raumes erfährt das Kunstwerk einen hohen Grad an Unmittelbarkeit und lässt den Betrachter Anteil nehmen an dem emotionalen Sujet.

Edvard Munch als Vorläufer des Expressionismus
„Ich male nicht das, was ich sehe, sondern das, was ich sah“ lautet ein Ausspruch Munchs aus dem Jahre 1888 und beschreibt eindrucksvoll den neuen Umgang des Künstlers mit den malerischen Ausdrucksmöglichkeiten. So entsteht das erste expressionistische Kunstwerk „Der Schrei“ (1892-1895) als Teil der Gemäldeserie „Ein Menschenleben“.

Laut Tagebucheintrag von 1892 geht das Motiv auf ein persönliches Erlebnis des Künstlers zurück. Auf einem Spaziergang mit seinen Freunden soll Munch einen schrecklichen Angstschrei gehört haben, der in ihm tiefe Verzweiflung ausgelöst habe. Dieses innerliche Gefühl bringt er in diesem zur Ikone gewordenen Sujet mit den Mitteln der Malerei zum Ausdruck und etabliert so expressive Stilmittel. Das grotesk anmutende und in unnatürlichen Farben gemalte Menschengesicht ist umrahmt von einer grellen Landschaft mit stürzenden Linien, die die Zentralperspektive aus dem Ruder geraten lassen. Diese Mittel der emotionalen Ansprache des Betrachters durch die zum Ausdruck gebrachten innersten Gefühle des Künstlers sind bezeichnend für den kommenden Expressionismus.

Als herausragendes Talent bekam Munch Stipendien, die ihm erlaubten auch im europäischen Ausland Kunst zu studieren, wodurch er auch in den Folgejahren u.a. die „Brücke-Künstler“ beeinflusste. 1944 stirbt Munch auf Ekely bei Oslo.