Vorläufer

Die Vorläufer des Expressionismus

Der Expressionismus ist eine Stilrichtung der Kunst, die im ausgehenden 19. Jahrhundert entstand und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein wirkte. Die expressionistischen Künstler wandten sich vor allem gegen den Naturalismus. Hier stand eine gegenständliche und wirklichkeitsgetreue Abbildung im Vordergrund. Die Expressionisten dagegen bevorzugten eine ausdrucksvolle und subjektive Malweise sowie einen freien Umgang in Bezug auf Form und Farbe.

Als wichtige Vorläufer des Expressionismus gelten der niederländische Maler Vincent van Gogh und der Franzose Paul Gauguin. Ihre dynamische Pinselführung, die bewegte Formgebung und ausdrucksstarke Farbgebung ihrer Gemälde ist auch als Antwort auf den Impressionismus zu sehen. Diese ersten expressionistischen Frühwerke entstanden zwischen 1885 und 1900. Besonders die Bilder Vincent van Goghs zeigen die Intensität der Gefühle, die im Expressionismus ihren Ausdruck fanden. Zu Lebzeiten stieß van Gogh ebenso wie seine expressionistisch arbeitenden Kollegen auf wenig Gegenliebe, da die neuartige Malweise zunächst nur von wenigen akzeptiert wurde. Weitere wichtige Vorläufer des Expressionismus in dieser Zeit waren Henri de Toulouse-Lautrec und Edvard Munch.

Der Schriftsteller und Literaturkritiker Hermann Bahr, der auch als „Prophet der Moderne“ bezeichnet wurde, hatte großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Expressionismus. Bekannt sind seine Ausführungen zu dem Bild „Rote Bäume“ von Ludwig von Hofmann, als dieses im Jahr 1895 im Künstlerhaus Wien ausgestellt wurde.

Einen zweiten Anlauf für die neuartige Malweise unternahm dann der Franzose Georges Rouault, der in seinem Land bald zu den führenden Malern des Expressionismus gehören sollte. Auch in den frühen Werken Pablo Picassos waren expressionistische Züge zu finden. Die französischen Fauves – die „Wilden“ – machten die expressionistische Malweise dann weithin bekannt. Unter der Führung von Henri Matisse verband die beteiligten Künstler eine gemeinsame Grundhaltung, in der die Farbe im Vordergrund stand. Mit der Entstehung der Dresdner Malergemeinschaft „Die Brücke“, vertreten unter anderem durch Max Pechstein und Ernst Ludwig Kirchner, setzte sich der Expressionismus als Malweise der Moderne dann endgültig durch.