Expressionismus in der Musik

Der musikalische Expressionismus – eine einflussreiche Musikstilrichtung des 20. Jahrhunderts
Der Expressionismus fand nicht nur in der Kunst seinen festen Platz, sondern wurde auch auf andere Künste wie Literatur, Film und natürlich Musik übertragen. So entstand der musikalische Expressionismus ungefähr um das Jahr 1906 und blieb eine feste Musikstilrichtung bis in das Jahr 1920.

Im Expressionismus ging es entgegen des Impressionismus um das Innere des Menschen. Im Vordergrund stand das Geistige und Seelische eines Menschen. So waren statt den äußeren Ereignissen die inneren Vorgänge und Wahrnehmungen wichtig. Es ging somit nicht um objektive sondern um rein subjektive Ausdrücke. Zudem war der Ausdruck im musikalischen Expressionismus sehr gefühlsintensiv und instinktiv.

Stilistisch gab es vor allem ein Hauptmerkmal: die Dissonanz. So waren Dissonanzen das wichtigste Ausdrucksmittel und wurden vermehrt gebraucht. Die traditionelle Tonalität wurde von der Atonalität abgelöst und es entstanden neuartige Gefüge und Stücke. Aufgrund der Atonalität entstanden dann aber auch viel kürzere Stücke. Auf wohlklingende Melodien wurde verzichtet. Stattdessen standen extreme Tonlagen und Lautstärkeunterschiede, unruhige Melodielinien, sowie freie Rhythmik und unübliche Instrumentationen an der Tagesordnung. Dynamische Gegensätze wurden eingearbeitet.

Außerdem wurden traditionelle Formen wie Kanon, Invention, Menuett, Walzer, etc. benutzt um ein Gleichgewicht auf formaler Ebene zu schaffen. So konnten die Komponisten das Rationale und das Emotionale in ihrer Musik verbinden.
Der musikalische Expressionismus ist in vier Hauptkriterien zu unterteilen: die Irritation, die Expression, die Reduktion und die Abstraktion.

Die Irritation oder Erregung steht für den raschen Wechsel melodischer Richtungen, die Unruhe der Motive, sowie für die Parallelität von dissonanten Harmonien und die Variation von Homophonie und linearen Teilen. Außerdem sind scharfe Intervalle und große Tonumfänge für die Irritation gewöhnlich. Zudem findet eine Befreiung des Rhythmus statt und das Metrum wird aufgelöst.

In der Expression wird der Tonraum durch Erweiterung der Akkordbildung aufgeteilt. Zudem herrscht eine Gleichberechtigung der Stimmen und so wird jedes musikalisch unterschiedliche Element gleichzeitig ausgebildet und übereinander gesetzt.
In der Reduktion findet, wie der Name schon verrät, eine Reduzierung statt. Das heißt, eine Beschränkung auf das Wesentliche. Somit ist in der Reduktion jeder Ton wichtig.

Das vierte Hauptkriterium ist die Abstraktion. Eine Rationalisierung der harmonischen Entfaltung, die durch fünf Faktoren bestimmt ist. Zum einen bezieht sich die Musik nicht mehr auf die Tonika, das heißt sie unterliegt keiner bestimmten Tonart. Die Akkorde besitzen keine harmonische Verwandtschaft. Alteration löst Akkordverbindungen auf. Leittöne werden in der Atonalität der Musik nicht mehr beseitigt, stattdessen erstarren sie. Schließlich wird durch die sogenannte Zwölftontechnik eine neue Ordnung geschaffen, die zum Fundament der atonalen Kompositionsweise wird.

Der musikalische Expressionismus lässt sich in drei Phasen einteilen. Der Frühexpressionismus, der Hochexpressionismus und der Spätexpressionismus.

Der Frühexpressionismus entstand um das Jahr 1900. Komponisten für diese frühe Phase des Expressionismus waren zum Beispiel Arnold Schönberg (1874-1951), ein österreichischer Komponist, Musiktheoretiker und Kompositionslehrer und Igor Fjodorowitsch Strawinski (1882-1971), ein russisch-französisch-US-amerikanischer Komponist.

Der Hochexpressionismus blühte von 1907 bis ca. 1912. Komponisten dieser Zeit des Expressionismus waren unter anderem Anton Webern (1883-1945), ein österreichischer Komponist und einer der ersten Schüler von Arnold Schönberg und Ferruccio Busoni (1866-1924), ein italienischer Pianist und Komponist.

Die letzte Phase des Expressionismus, der Spätexpressionismus begann dann ab 1914 und floss mit der nachfolgenden Stilrichtung zusammen, der Zwölftonmusik.

Der musikalische Expressionismus war eine einflussreiche Zeit in der Musikgeschichte, allerdings entfaltete dieser sich hauptsächlich im deutschen und österreichischen Raum.