Abstrakter Expressionismus

Mit dem Begriff Abstrakter Expressionismus verbindet man hauptsächlich eine Kunstrichtung aus den USA der 50er und 60er Jahre des letzen Jahrhunderts. Sie ist auch bekannt unter dem Namen New York School. Der Hintergrund von New York als zentralem Platz für den Abstrakten Expressionismus ist der Zweite Weltkrieg mit der Judenverfolgung, der zu einer großen Auswanderung europäischer Künstler in die USA führte. Der Name New York School war unter anderem auch eine Kampfansage an Paris, das bis dahin als eindeutiges Zentrum der Kunst gegolten hatte. Während des Kalten Krieges wurde der Abstrakte Expressionismus oft als Beweis für den „freien Westen“ benutzt, obwohl er in Amerika selbst nicht unumstritten war und als unamerikanisch beschimpft wurde.

Um was geht es beim Abstrakten Expressionismus?
Abstrakte Kunst entscheidet sich bewusst gegen die naturalistische Darstellung, indem die Gegenstände abstrahiert werden (vom lat. abstrahere = abziehen, wegziehen, auch generalisieren). Einen Schritt weiter geht die gegenstandslose Kunst, bei der es überhaupt nicht mehr um Gegenständlichkeit geht. Der Abstrakte Expressionismus versucht eine bestimmte Haltung des Künstlers auszudrücken. Nach dem Zweiten Weltkrieg glaubten die Künstler nicht mehr daran, die Welt verbessern zu können. Die individuelle Ausdrucksform stand im Vordergrund. Die Bilder ohne Botschaft und Gegenstand forderten den Betrachter auf, sich seiner eigenen Einbildungskraft zu bedienen. Im Vordergrund dieser Kunstrichtung standen Emotion und Spontaneität.

Abstrakter Expressionismus bezeichnet den frei gesetzten Ausdruck, der auf Gegenständlichkeit verzichtet. Für die Abstrakten Expressionisten waren die Emotionen und der Ausdruck wichtiger, als Perfektion und Vorschriften. Darin fühlten sie sich eingesperrt und suchten nach Befreiung.

Die Gangart war rau. Statt mit einem feinen Pinsel Farbschicht über Farbschicht zu legen, wurde heftig mit allem Verfügbaren geschleudert, getropft, gepresst und gewischt. Im impulsiven Akt des Malens soll spontan das Unbewusste freigesetzt werden. Anfangs tat sich die Öffentlichkeit schwer mit den „wüsten Schmierereien“. Es hatte so gar nichts mehr mit dem zu tun, was man bis dahin gemeinhin als Kunst betrachtet hatte.

Die wichtigsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus
Der wohl berühmteste Vertreter dieser Art des Malens war Jackson Pollock (1912-1956). Seine Methode bezeichnete er als Action Painting. Die Vertreter des Action Painting befassten sich mit Art und Beschaffenheit der Farbe und den damit verbundenen Ausdrucksmöglichkeiten. Jackson Pollock legte seine großen Leinwände auf den Boden. Dann ließ er Farbe mittels Pinseln, angebohrten Dosen und anderen Behältern auf die Leinwand tropfen und rinnen. Manchmal schleuderte er die Farbe auch direkt darauf.

Weitere wichtige Vertreter des Abstrakten Expressionismus sind: Mark Rothko, Willem de Kooning, Franz Kline, Robert Motherwell, Sam Francis und Ad Reinhard.

Mark Rothko entwickelte einen ganz eigenen Stil, indem er oft monochrome Farbflächen mit meditativem Charakter komponierte. Viele seiner Werke sind herausragende Beispiele der Farbfeldmalerei (Color Field Painting).
In Europa entstanden verwandte Strömungen. Der Tachismus (franz. Le tache = der Fleck) ist die Bezeichnung für den französischen Abstrakten Expressionismus. In Deutschland entstand das Informell als Absage an Form und das Formale. Wichtige europäische Vertreter sind: Pierre Soulage, Antoni Tapies, Wohls oder Emil Schumacher.