Expressionismus, was ist das eigentlich?

Als Expressionismus wird eine Stilrichtung in der Kunst bezeichnet, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Das Wort Expressionismus stammt vom Lateinischen expressio und steht für „Ausdruck“. Dieser Stil soll vor allem, ebenso wie auch der Impressionismus, der Fauvismus und der Symbolismus, eine Bewegung gegen die Tendenzen des weit verbreiteten Naturalismus darstellen und gilt somit als Gegenbewegung dieser Stilrichtung. Der Künstler möchte dabei seine Erlebnisse veranschaulichen. Hierbei überwiegt die expressive Ebene und steht deutlich über den ästhetischen und appellativen Eigenschaften des Bildes.
Die wohl bekanntesten Vereinigungen von Künstlern im Expressionismus sind „Der Blaue Reiter“ von Wassily Kandinsky und Franz Marc und die „Brücke“, eine Künstlergruppe, die 1905 von Architekturstudenten gegründet wurde. Neben diesen Vereinigungen gab es aber auch noch den Rheinischen Expressionismus. Herwarth Walden prägte diesen Begriff im Jahre 1911. Er bezeichnete damit allerdings weniger eine Kunstgruppe, als das Lebensgefühl einer jungen Generation.

In Deutschland trat der Expressionismus unter diesem Namen zum ersten Mal im frühen 20. Jahrhundert in der Malerei und der Grafik auf. Er steht der bildnerischen Gestaltungsweise des Impressionismus diametral gegenüber. Die Werke weisen einen sehr freien Umgang mit Formen und Farben, die oft ungemischt verwendet werden, auf. Im deutschsprachigen Raum fällt außerdem die häufige Verwendung holzschnittartiger Formen auf. Zudem wird das Motiv auf die markanten Formen Elemente reduziert und die traditionelle Bildperspektive aufgelöst. Nicht die realistische Darstellung der Motive steht im Vordergrund, sondern viel eher die subjektive Regung der Künstler, die mit den Werken zum Ausdruck gebracht wird. Der Expressionismus wird als Protest der bestehenden Ordnung und somit gegen das Bürgertum angesehen. Die Entstehung dieser Stilrichtung steht in einem engen Zusammenhang zu der Lebensreformbewegung. Friedrich Nietzsche stellt dabei den Vordenker für expressionistische Künstler dar. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Expressionismus sehr bald von neuen Stilrichtungen überlagert und teilweise sogar abgelöst. Nachreiter waren zum Beispiel der Konstruktivismus, die Neue Sachlichkeit und in der Postmoderne die Neuen Wilden, sowie der Fotorealismus.