Expressionismus Architektur

Die Epoche des Expressionismus in der Architektur wurde an erster Stelle in Deutschland in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Ende der 1920er Jahre durch den Bau der unterschiedlichsten Gebäude begründet. Geprägt wurde der Begriff durch Adolf Behne, der im Jahr 1913 ein Kunstwerk Bruno Tauts in der Zeitschrift Pan mit aktuellen Strömungen in der Malerei verglich und mit dem Wort „expressionistisch“ belegte. Eine große Anzahl von Architekten des Expressionismus beteiligten sich seit 1907 im Deutschen Werkbund und arbeiteten in der Art und Weise des Jugendstils.

Kennzeichen des Expressionismus in der Architektur
Architekten der expressionistischen Strömung arbeiteten vornehmlich mit gezackten und runden Formen. Dadurch grenzten sie sich von der Strömung der Neuen Sachlichkeit ab. Auch geschwungene Formen stellten ein besonderes Interesse der expressionistischen Architekten dar.

Die bevorzugten Materien dieser Strömung waren Beton und Backstein. Der Umgang mit dem Baumaterial Beton war um das Jahr 1920 noch neu – so fanden auch in allen anderen Stilrichtungen dieser Epoche Experimente mit diesem Material statt. Ein Beispiel für das Experimentieren mit Beton ist der Einsteinturm, der in Potsdam steht: ursprünglich war dieser als Betonbau geplant, und betrachtet man ihn, gewinnt man auch die Überzeugung, er sei tatsächlich aus Beton. Allerdings besteht er aber aus Mauerwerk, das anschließend verputzt wurde.

Ein Kennzeichen expressionistischer Architektur ist, dass die Künstler ihre Arrangements als Gesamtkunstwerk begriffen. So wurden beispielsweise Skulpturen in die Architektur integriert, häufig auch als Relief. Einige expressionistische Künstler experimentierten auch mit dem Genre Film: Hans Poelzig konzipierte 1920 die Filmarchitektur für den Film „Der Golem, wie er in die Welt kam“. Allerdings wurden auch viele Konzepte expressionistischer Künstler nicht verwirklicht.

Expressionistische Architekten und ihr Schaffen
Hans Poelzig ist ein tragenden Vertreter der expressionistischen Epoche. Typischerweise beschäftigten sich die Architekten nur für einen kurzen Abschnitt in ihrem Schaffen mit dem Expressionismus, um sich später umzuorientieren. Poelzig beispielsweise schwenkte später zur Strömung der Neuen Sachlichkeit über. Ein berühmtes Kunstwerk von ihm ist das Große Schauspielhaus mit der tropfsteinartigen Innenarchitektur, das in den Jahren 1918-1919 von ihm umgebaut wurde.

Das berühmteste expressionistische Kunstwerk ist wohl der Einsteinturm in Potsdam-Babelsberg, der in den Jahren 1920-1921 von Erich Mendelsohn erbaut wurde. Das „Haus Sommerfeld“ in Berlin, durch Walter Gropius und Adolf Meyer 1920 errichtet und ein Projekt des Bauhauses, war ebenfalls expressionistisch beeinflusst. Mitarbeiter waren hier die Holzkünstler Jost Schmidt und auch Josef Albers, der die Fenster aus farbigem Glas konzipierte.

Der Expressionist Fritz Höger erbaute 1922-1924 das Hamburger Chilehaus und 1927-1928 das Hannoversche Anzeiger-Hochhaus. Der Bildhauer Bernhard Hoetger errichtete 1931 die Böttcherstraße in Bremen, die bis heute berühmt ist.
Bruno Taut begründete den expressionistischen Architektenkreis „Gläserne Kette“. Dieser schloss sich Hans Scharoun nach dem Ersten Weltkrieg an. Auch war er Mitglied der Architektenvereinigung „Der Ring“. Seine späteren Bauten, wie die Berliner Philharmonie 1956-1963, weisen explizit auf seine expressionistische Prägung hin.

Der expressionistische Architekt Gottfried Böhm zeichnete sich durch den Bau von Kirchen aus, die er vorwiegend in den 1960er Jahren konzipierte. Diese schöpfen ihren Ausdruck aus dem Baumaterial Beton, das Böhm vornehmlich benutzte, und aus ihrer beeindruckenden Plastizität. In diesem Jahrzehnt wurden auch Waldorfschulen durch verschiedene Künstler errichtet, die in neuer Art und Weise geplant wurden und durch expressive Elemente geprägt waren.