Dresdner Brücke/Blauer Reiter

Künstlervereinigungen im Expressionismus
Am 7. Juni 1905 gründeten vier Architekturstudenten der Technischen Hochschule in Dresden, darunter u. a. Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl, die Künstlervereinigung „Die Brücke“, welcher später zeitweilig auch Emil Nolde angehörte. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen orientierten sich ihre Mitglieder vor allem an den Werken von Paul Gauguin und Edvard Munch.
Die Mitglieder dieser Gemeinschaft, die sich explizit außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft verortete, strebten vor allem Gemeinsamkeit an und glichen ihren Stil in einem Maße einander an, dass man die Anfangswerke kaum mehr einem bestimmten Künstler zuordnen konnte. Dabei ist dem Gros der Bilder die Verwendung greller Farben, ein spontaner Duktus sowie ein großflächiger Farbauftrag gemein. Als weiteres Stilmittel diente der „Brücke“ die vereinfachte Darstellung von Personen und Gegenständen, wie man sie von den damals ebenfalls beliebten Holzschnitten kennt.

Die Künstler übten durch ihre Darstellung von Menschen in unberührten Landschaften nicht nur Kritik an der Industrialisierung, sondern thematisierten auch soziale und gesellschaftliche Missstände und Tabus und kratzten so an der glatten Oberfläche des Bürgertums im Wilhelminismus. Nach ihrem Umzug nach Berlin im Jahre 1913 löste sich die Künstlervereinigung aufgrund der divergierenden Entwicklungen ihrer Mitglieder, welche nicht zuletzt dem Großstadtleben geschuldet war, auf.

Die zweite wichtige Künstlergruppe des Expressionismus war der 1911 von Wassily Kandinsky und Franz Marc gegründete „Blaue Reiter“. Die Vereinigung, welcher u. a. auch Alfred Kubin und August Mack angehörten, brachte im April 1912 einen gleichnamigen Almanach heraus, in welchem sie ihr Programm für die Kunst des 20. Jahrhunderts darlegte. Anders als es bei der „Brücke“ der Fall war, handelte es sich beim „Blauen Reiter“ um einen lockeren Zusammenschluss von Künstler, welche alle ihrem Stil treu blieben. Während z. B. Kandinskys Werke vor allem abstrakte Formen zeigen, schuf Franz Marc Tierbilder in symbolträchtigen Farben.

Allen Mitgliedern des „Blauen Reiters“ war jedoch gemein, dass sie nicht die Wirklichkeit abbilden, sondern den Blick stärker auf die innere Realität lenken wollten, welche sie als gleichwertig betrachteten. Zugleich zeugte ihre Abkehr vom Gegenständlichen von ihrer Kritik am Wilhelminismus.

Im Jahre 1914 zerfiel die Künstlervereinigung, welche an zwei wichtigen Ausstellungen in Köln und Berlin beteiligt war, aufgrund des Ausbruches des Ersten Weltkrieges.