Bildwerke

Der Expressionismus – ein schneller Überblick
Im ausgehenden 19. Jahrhundert entstand in Europa, hauptsächlich in dessen Westen, die künstlerische Stilrichtung des Expressionismus. Ihm voraus ging der Impressionismus. Während dieser hauptsächlich Bilder und Gemälde hervorbrachte, die – wie der Name schon andeutet – Impressionen, also Eindrücke, vermittelte und so noch relativ nahe am Realismus war, flossen in die Bilder des Expressionismus mehr Gefühle, Gedanken und Interpretationen des Gesehenen ein.

Mit diesen gänzlich vom Künstler selbst abhängigen Einflüssen, die teils – wenn auch selten – unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen entstanden, wurden die bis dahin geltenden Regeln der Perspektive und Farbgebung aufgehoben. Oftmals wurden die Farben auch nicht mehr gemischt, was zu starken Kontrasten und wenigen Farbübergängen, einzelnen Farbflächen und so zu abstrakten Figuren führte. Auch die Lichtverhältnisse, die noch in der vorausgehenden Epoche – dem Impressionismus – eine große Rolle spielten, wurden im Expressionismus zunehmend vernachlässigt und der Schwerpunkt auf den Transport eines Gefühls gelegt.

Auch wurden die Bilder oftmals erst nach dem Erleben des Abgebildeten und innerhalb des Ateliers erstellt und nicht wie im Impressionismus üblich, während des Erlebens und unter freiem Himmel. Dies sorgte zu einer zusätzlichen Verzerrung des Gesehenen, da viele eigene Gedanken des Künstlers und vielleicht auch fremde Gedanken mit in die Erschaffung des letztendlichen Kunstwerkes einflossen.

Als Beispiel für ein expressionistisches Gemälde, in dem das Erwähnte erkannt werden kann, ist „Russisches Ballett 1“ von August Macke, das 1912 entstand. Dieses Bild zeigt im unteren dunkleren Bilddrittel Zuschauer und ganz rechts eine Zuschauerin, die erhöht sitzt und so bis in die Bildmitte ragt. Die oberen zwei Drittel des Bildes werden von der Bühne und den drei Tänzern darauf dominiert. Das Bühnenbild im Hintergrund ist nicht erkennbar, die Lichtverhältnisse nur durch vereinzelte und ungenaue Schatten angedeutet. Die Gesichter der Schauspieler sind nur angedeutet, das der Frau am rechten Bildrand scheint nicht vorhanden. Die Konturen der anderen Zuschauer sind skizzenhaft. Und so eckig sie wirken, so rund erscheinen die Bewegungen der Schauspieler.

Ein Interpretationsansatz dieses expressionistischen Werkes wäre, dass August Macke – so wie es bei Bühnenvorstellungen sein soll – weniger auf das Publikum in den Rängen vor sich geachtet hat. Das Bühnenbild scheint er dabei ebenfalls nur zur Kenntnis genommen zu haben. Größere Beachtung schenkte er den Tänzern, deren Können ihn wohl begeisterte, weshalb er sie so beweglich abbildete.